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Stürze im Alter vermeiden: So schaffen Sie ein sicheres Zuhause für Ihre Lieben


Stürze im höheren Lebensalter sind eine ernste Gefahr für die Gesundheit und Selbstständigkeit älterer Menschen. Als Angehörige spielen Sie eine entscheidende Rolle dabei, das Zuhause Ihrer Liebsten so sicher wie möglich zu gestalten und so ihre Lebensqualität und Unabhängigkeit zu bewahren. Dieser Beitrag beleuchtet die Fakten rund um Stürze im häuslichen Umfeld, untersucht die häufigsten Ursachen und präsentiert umfassende präventive Maßnahmen für jeden Bereich des Hauses. Darüber hinaus geben wir Ihnen spezifische Ratschläge, wie Sie Ihre Angehörigen bestmöglich unterstützen und informieren können.



Die Fakten sprechen für sich: Sturzstatistiken im häuslichen Umfeld

Die Häufigkeit von Stürzen im Alter ist alarmierend. Etwa 30 Prozent der Menschen über 65 Jahre, die zu Hause leben, stürzen mindestens einmal jährlich . Bei Personen über 80 Jahre steigt dieser Anteil sogar auf über 40 Prozent . Insgesamt ereignen sich in Deutschland jährlich mehr als fünf Millionen Stürze bei Senioren, wobei die Tendenz aufgrund der demografischen Entwicklung steigend ist . Altersmediziner schätzen die jährliche Zahl der Stürze älterer Menschen in Deutschland sogar auf rund zehn Millionen . Von den stürzenden Senioren erlebt etwa ein Viertel mehrere Stürze pro Jahr .   


Die Folgen dieser Stürze sind oft gravierend. Stürze sind die häufigste Ursache für verletzungsbedingte Todesfälle bei Menschen ab 65 Jahren . Im Haushalt stellen sie die häufigste Unfall- und Todesursache dar und machen fast die Hälfte (45 Prozent) aller tödlichen Hausunfälle aus . Über 81 Prozent der Todesopfer von Haushaltsunfällen sind ältere Menschen, wobei Stürze die Hauptursache sind . Im Jahr 2019 starben in Deutschland 10.750 Menschen an den Folgen eines Sturzes, überwiegend Senioren in ihren eigenen vier Wänden . Bei etwa 5 bis 10 Prozent der Stürze zu Hause kommt es zu Verletzungen wie Knochenbrüchen, Platzwunden oder Kopfverletzungen . Hüftfrakturen, die oft durch Stürze verursacht werden, können ernste Komplikationen und langfristige Einschränkungen nach sich ziehen . Jährlich müssen rund 300.000 Senioren nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt werden . Zudem kann die Angst vor erneuten Stürzen nach einem ersten Sturz zu einer Verminderung der körperlichen Aktivität führen, was das Risiko weiterer Stürze sogar noch erhöht .   


Die Zahl der tödlichen Hausunfälle durch Stürze nimmt jährlich zu, was wahrscheinlich auf das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung zurückzuführen ist . Prognosen gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Sturzereignisse bis zum Jahr 2030 verdoppeln wird . Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung von präventiven Maßnahmen, bei denen Sie als Angehörige eine zentrale Rolle spielen.   


Um die Dimension des Problems zu verdeutlichen, kann folgende Tabelle einen Überblick über wichtige Sturzstatistiken in Deutschland geben:

Statistik

Wert

Quelle(n)

Anteil der über 65-Jährigen mit mindestens einem Sturz pro Jahr (zu Hause lebend)

ca. 30 %


Anteil der über 80-Jährigen mit mindestens einem Sturz pro Jahr (zu Hause lebend)

über 40 %


Geschätzte Anzahl jährlicher Stürze bei Senioren in Deutschland

ca. 5 Millionen


Anzahl der Todesfälle durch Stürze bei Senioren (Beispieljahr 2019)

10.750 Personen


Anteil der tödlichen Haushaltsunfälle durch Stürze

ca. 45 %


Anteil der Stürze, die zu schwereren Verletzungen führen

5-10 %


   

Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit effektiver Strategien zur Sturzprävention, insbesondere im häuslichen Umfeld älterer Menschen, und zeigen, wie wichtig Ihre Unterstützung als Familie ist.

Gefahren erkennen: Häufige Ursachen für Stürze in Wohnungen

Stürze im Alter sind selten auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Vielmehr ist es oft das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die das Risiko erhöhen. Diese Faktoren lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen: intrinsische Faktoren, die mit der Person selbst zusammenhängen, und extrinsische Faktoren, die in der Umgebung liegen.

Intrinsische Faktoren (personenbezogene Risikofaktoren): Mit zunehmendem Alter kommt es zu natürlichen Veränderungen im Körper, die die Sturzgefahr erhöhen können. Achten Sie auf Anzeichen wie altersbedingten Abbau von Muskelkraft, Gleichgewichtsstörungen und eine verlangsamte Reaktionszeit bei Ihren Angehörigen . Auch Erkrankungen wie Gang- und Gleichgewichtsstörungen , Muskelschwäche (möglicherweise durch Mangelernährung)  sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit und Flexibilität  spielen eine Rolle.   


Sehbeeinträchtigungen und Augenerkrankungen  sowie Hörverlust, der das Gleichgewicht beeinflussen kann , sind weitere wichtige Risikofaktoren. Inkontinenz kann ebenfalls zu Stürzen führen, da Betroffene oft eilig zur Toilette gehen . Medizinische Zustände, die Schwindel verursachen, wie Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusstörungen , erhöhen ebenfalls das Sturzrisiko.   


Die Angst vor Stürzen selbst kann einen Teufelskreis in Gang setzen, indem sie zu verminderter Aktivität und dadurch zu weiterem Muskelabbau und erhöhter Sturzgefahr führt . Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Schwindel oder Benommenheit verursachen und somit das Sturzrisiko steigern . Auch kognitive Beeinträchtigungen wie Demenz , Fußprobleme und Sensibilitätsstörungen , Anämie , Arthritis und Osteoporose , Diabetes , Parkinson  sowie Schlaganfälle  können das Sturzrisiko erhöhen. Oft ist es das Zusammenspiel mehrerer dieser intrinsischen Faktoren, das die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes maßgeblich beeinflusst.   


Extrinsische Faktoren (umgebungsbedingte Risikofaktoren): Neben den persönlichen Risikofaktoren spielen auch Gefahren in der Wohnumgebung eine entscheidende Rolle. Achten Sie im Zuhause Ihrer Angehörigen auf Stolperfallen wie lose Teppiche, unebene Böden, Türschwellen und herumliegende Gegenstände . Rutschige Oberflächen, insbesondere im Badezimmer und in der Küche , stellen ebenfalls eine große Gefahr dar.   


Mangelhafte Beleuchtung, besonders nachts , sowie lose oder querliegende Kabel  können leicht zu Stürzen führen. Instabile Möbel , die falsche Verwendung von Gehhilfen  sowie schwer erreichbare Gegenstände, die zum Strecken oder Bücken zwingen , tragen ebenfalls zum Sturzrisiko bei. Viele Stürze ereignen sich in Situationen, die eine höhere posturale Kontrolle und Mobilität erfordern, insbesondere in unbekannter Umgebung . Oft ist es die Kombination aus individuellen Schwächen und diesen Umgebungsgefahren, die zu einem Sturz führt.   


Sicherheit in jedem Raum: Präventive Maßnahmen für ein sturzfreies Zuhause

Um Stürze im häuslichen Umfeld zu vermeiden, ist es wichtig, in jedem Raum spezifische präventive Maßnahmen zu ergreifen. Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Angehörigen die folgenden Tipps durch und helfen Sie ihnen bei der Umsetzung.

Das Badezimmer: Stolperfallen minimieren: Das Badezimmer ist ein besonders sturzgefährdeter Bereich. Hier sollten Sie Haltegriffe in der Nähe der Toilette, in der Dusche und an der Badewanne anbringen . Rutschfeste Matten in der Dusche und Badewanne sind unerlässlich . Eine Dusche anstelle einer Badewanne oder der Einbau eines Badewannenlifts oder -sitzes kann das Ein- und Aussteigen erleichtern . Für eine gute Sicht sollten eine ausreichende Beleuchtung und eventuell Nachtlichter vorhanden sein . Lose Teppiche oder Badematten sollten entfernt werden . Bei Bedarf kann auch eine Toilettensitzerhöhung hilfreich sein . Es ist wichtig, den Boden trocken zu halten und verschüttete Flüssigkeiten sofort aufzuwischen . Fenster sollten leicht zugänglich sein . Rutschfeste Fliesen oder eine entsprechende Beschichtung können das Ausrutschrisiko zusätzlich minimieren .   


Die Küche: Sicher hantieren und bewegen: In der Küche ist eine gute Beleuchtung ebenfalls wichtig . Häufig benutzte Gegenstände sollten leicht erreichbar sein, um unnötiges Strecken oder Bücken zu vermeiden . Rutschfeste Bodenbeläge oder Matten können für mehr Sicherheit sorgen . Verschüttete Flüssigkeiten sollten sofort aufgewischt werden . Es ist ratsam, Stolperfallen zu vermeiden und Laufwege freizuhalten . Beim Benutzen von Leitern oder Trittstühlen sollte auf einen sicheren Stand geachtet werden . Wenn langes Stehen schwerfällt, kann es hilfreich sein, Arbeiten im Sitzen zu erledigen . Schubladen sollten gesichert sein, um ein Herausfallen zu verhindern .   


Das Schlafzimmer: Ruhe und Sicherheit: Eine ausreichende Beleuchtung, einschließlich eines Nachtlichts in Reichweite des Bettes, ist im Schlafzimmer wichtig . Ein Telefon sollte in der Nähe des Bettes platziert sein . Lose Teppiche und Läufer sollten entfernt oder befestigt werden . Die Betthöhe sollte so gewählt sein, dass das Ein- und Aussteigen leichtfällt ; bei Bedarf können Betthöher verwendet werden . Der Weg zum Badezimmer sollte frei sein . Kleidung im Schrank sollte so organisiert sein, dass sie leicht zugänglich ist . Vorsicht ist bei der Verwendung von Heizdecken geboten . Bei Bedarf können Haltegriffe oder Bettgitter eine zusätzliche Unterstützung bieten .   


Treppen und Flure: Sichere Wege im Haus: Treppen stellen ein besonderes Sturzrisiko dar. Hier ist eine ausgezeichnete Beleuchtung unerlässlich . Stabile Handläufe sollten auf beiden Seiten der Treppe angebracht sein . Treppenkanten sollten durch kontrastreiche Farben oder rutschfeste Streifen markiert werden . Die Treppe sollte frei von jeglichen Gegenständen sein . Rutschfeste Bodenbeläge oder befestigte Teppiche auf den Stufen erhöhen die Sicherheit . Beschädigte oder lose Stufen müssen repariert werden . Bei Bedarf kann ein Treppenlift eine Alternative sein . Auch in Fluren sollte auf eine gute Beleuchtung geachtet und Hindernisse beseitigt werden .   


Wichtige Tipps für Angehörige

Als Angehörige spielen Sie eine entscheidende Rolle bei der Sturzprävention Ihrer Liebsten. Achten Sie auf Veränderungen in deren Mobilität und Gesundheit und sprechen Sie offen über mögliche Risiken. Es ist hilfreich, wenn Sie gemeinsam mit Ihren Angehörigen und gegebenenfalls dem Hausarzt regelmäßige Einschätzungen des Sturzrisikos vornehmen . Fördern Sie regelmäßige körperliche Aktivität und Gleichgewichtsübungen bei Ihren Angehörigen . Unterstützen Sie sie dabei, ihre Medikamentenliste regelmäßig auf sturzauslösende Nebenwirkungen überprüfen zu lassen . Untersuchen Sie gemeinsam die Wohnumgebung auf Sturzgefahren und nehmen Sie entsprechende Anpassungen vor . Informieren Sie sich über die korrekte Verwendung von Hilfsmitteln und unterstützen Sie Ihre Angehörigen dabei . Ermutigen Sie Ihre Angehörigen, jeden Sturz zu melden, auch wenn er harmlos erscheint . Die Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten ist hierbei essenziell . Schaffen Sie eine unterstützende und nicht-verurteilende Atmosphäre, um Ängste vor Stürzen abzubauen und die Bereitschaft zur aktiven Prävention zu fördern . Analysieren Sie gemeinsam aufgetretene Stürze, um die zugrunde liegenden Faktoren zu identifizieren und die Präventionsstrategien anzupassen .   


Hilfsmittel und Anpassungen für mehr Sicherheit

Eine Vielzahl von Hilfsmitteln und Anpassungen im Wohnraum können das Sturzrisiko erheblich verringern. Informieren Sie sich über Möglichkeiten wie Haltegriffe und Handläufe in Badezimmern, Fluren und in der Nähe von Treppen , erhöhte Toilettensitze , Duschstühle und Badewannenlifte , Rollatoren und Gehstöcke , rutschfeste Matten und Teppiche mit rutschfester Unterlage , Treppenlifte , Bewegungsmelder für die Beleuchtung , Bettgitter und Nachttische mit Toilettenfunktion , Hüftprotektoren , Sturzerkennungssysteme , höhenverstellbare Betten , Rampen für Türschwellen und Absätze  sowie Schuhlöffel und Greifzangen mit langem Griff . Die Auswahl der geeigneten Hilfsmittel sollte immer auf die individuellen Bedürfnisse und die spezifische Wohnsituation Ihrer Angehörigen abgestimmt sein.   


Aufklärung schafft Sicherheit: Wie Angehörige ihre Liebsten unterstützen können

Die Aufklärung über Sturzgefahren und Präventionsstrategien ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Unterstützung als Angehörige . Sprechen Sie offen mit Ihren Liebsten über die Risiken von Stürzen und die Möglichkeiten der Vorbeugung. Dies kann in persönlichen Gesprächen oder mithilfe von Informationsmaterialien erfolgen. Bieten Sie individuelle Unterstützung an, die auf die spezifischen Risikofaktoren und die Wohnsituation Ihrer Angehörigen zugeschnitten ist . Zeigen Sie die korrekte Anwendung von Hilfsmitteln und erklären Sie deren Nutzen . Betonen Sie, dass auch scheinbar harmlose Stürze gemeldet werden sollten . Nehmen Sie Ängste vor Stürzen ernst und entwickeln Sie gemeinsam Strategien zur Bewältigung, um die körperliche Aktivität weiterhin zu fördern . Fördern Sie die Kommunikation mit Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern, um beispielsweise Medikamente überprüfen zu lassen . Beziehen Sie auch andere Familienmitglieder in den Aufklärungs- und Präventionsprozess ein . Informieren Sie sich über weiterführende Angebote wie Wohnberatungsstellen oder Bewegungsprogramme .

Fazit: Gemeinsam für ein sicheres Zuhause

Die Vermeidung von Stürzen im Alter erfordert ein gemeinsames Engagement von älteren Menschen und ihren Familien. Durch proaktive Maßnahmen und kontinuierliche Aufmerksamkeit für potenzielle Gefahrenquellen kann ein sicheres Zuhause geschaffen werden. Sie als Angehörige spielen hierbei eine unverzichtbare Rolle, indem Sie Risiken erkennen, unterstützen, beraten und praktische Hilfe leisten. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Menschen zu erhalten und Stürze zu verhindern.

 
 
 

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